Dokumentation › Benutzerhandbuch
OricTel — Benutzerhandbuch
Minitel-1B-Terminal für den Oric 1 / Atmos · EUPL-1.2-Lizenz. Dieses Handbuch beschreibt die Nutzung von OricTel, vom Start bis zum Navigieren auf Minitel-Servern. Zur technischen Architektur siehe die Seite Architektur.
1. Schnellstart
make run
Dieser Befehl baut bei Bedarf und startet dann den Phosphoric-Emulator mit OricTel im AT-Modem-Modus. Das Programm lädt und startet automatisch (Fast-Load + RUN). Danach:
- Splashscreen (Jingle) — drücken Sie eine Taste (oder warten Sie 5 s).
- Serielle Schnittstelle — ein Erinnerungsbildschirm des einzig möglichen Hardware-Aufbaus
(
LOCI + PicoWiFiModemUSB, ACIA 6551 bei$0380). Keine Auswahl: Taste zum Fortfahren. - Verbindungsmodus — tippen Sie
1(AT-Modem, empfohlen) oder2(WLAN-Konfig). Da der PicoWiFi ein Hayes-Modem ist, läuft die Verbindung stets über AT. - Server — tippen Sie
1(PAVI 3617),2(MiniPavi) oder3(freie Eingabe einesHost:Port, mit RETURN bestätigt). - Die ATZ/ATD-Sequenz läuft (~2 s) und die Startseite des Servers erscheint.
Anzeigetipp: Das Phosphoric-Fenster lässt sich mit F3 (Zyklus ×1-×4) oder
--scale 3 vergrößern. Bei Skala 1 sind die invertierten Kartuschen (SENDEN, INHALT…) schlecht lesbar —
eine Pixelgrößengrenze, kein Rendering-Fehler.
2. Verbindungsmodi
Modus 1 — AT-Modem (die einzige Verbindungsmethode)
OricTel steuert ein Hayes-Modem über die ACIA 6551 bei $0380 (PicoWiFiModemUSB oder seine
Phosphoric-Emulation --serial modem/picowifi): ATZ (Reset), dann
ATDT Host:Port (Wählen = TCP-Verbindung). Der Server wird im Menü von OricTel gewählt; man kann den
Server also ohne Neustart des Emulators wechseln. Dies ist der einzige Verbindungsmodus: Der alte „Direkt“-Modus (rohe
V23-Leitung ohne AT) wurde entfernt, da der Zielaufbau keine Direktleitung öffnen kann.
WebSocket-Modus (über Brücke)
make run-ws startet die Python-Brücke (orictel_bridge.py), die TCP (Port 3615) an den
WebSocket-Server ws://3617.fr/ws weiterleitet, und dann den Emulator. Die Brücke ist ein transparentes
Binärrelais: OricTel folgt seinem üblichen AT-Modem-Ablauf (der AT-Handshake scheitert mangels Modem auf der
Brückenseite still, danach zirkuliert der Videotex-Fluss).
2b. WLAN-Konfig (PicoWiFiModemUSB-Hardware)
Auf einem echten LOCI + PicoWiFiModemUSB-Aufbau muss das Modem mit einem WLAN-Netz (mit einer
IP-Adresse) verbunden sein, bevor es wählen kann. Sonst scheitert ATD sofort mit NO CARRIER
(00:00:00) (Status no ip). Das Menü 2 - WLAN-Konfig erledigt die gesamte
Konfiguration vom Oric aus:
- Scan: OricTel sendet
AT$SCAN; 2,4-GHz-Netze in Reichweite werden nummeriert angezeigt. Ein rotes*markiert ein gesichertes Netz. - Auswahl: Tippen Sie die Nummer des Netzes. WIEDERHOLEN startet den Scan neu, ABBRECHEN kehrt zum Menü zurück.
- Passwort: Für ein gesichertes Netz geben Sie das Passwort ein (mit
*maskiert), SENDEN bestätigt, KORREKTUR löscht. - Verbindung: OricTel sendet
AT$SSID=/AT$PASS=/ATC1, wartet dann auf die DHCP-IP. Bei Erfolg speichertAT&Wdie Konfig im NVRAM des Pico („Verbunden! Konfig gespeichert.“). Sonst „IP-Fehler. Passwort prüfen.“.
Sobald das WLAN konfiguriert ist, kehren Sie zum Menü zurück und wählen 1 - AT-Modem, um normal zu
verbinden. Hinweis: Nach einem ATZ wartet OricTel nun, bis es eine IP hat, bevor es wählt, was den
NO CARRIER durch ein noch laufendes DHCP vermeidet.
3. Der Bildschirm
- Zeilen 1-24: die Videotex-Seite des Servers (40 Spalten).
- Statuszeile (oben rechts): invertiertes
C= kürzlich Daten empfangen (verbunden),F= keine Daten seit ~30 s (Verbindung wahrscheinlich getrennt). - Cursor: ein blinkender Balken unter der aktuellen Zelle, wenn der Server ihn aktiviert (Eingabefelder).
4. Die Tastatur
OricTel läuft auf Oric-1 und Atmos. Minitel-Funktionstasten nutzen STRG+Buchstabe (beide Maschinen) oder FUNCT+Buchstabe (nur Atmos).
| Minitel-Taste | Wofür | Oric |
|---|---|---|
| SENDEN | eine Eingabe bestätigen | RETURN |
| INHALT | zurück zum Dienst-Inhalt | STRG+S |
| ZURÜCK | vorherige Seite | STRG+R oder Pfeil HOCH |
| WEITER | nächste Seite | STRG+N |
| WIEDERHOLEN | die Seite erneut anzeigen | STRG+E |
| HILFE | Dienst-Hilfe | STRG+G |
| ABBRECHEN | die aktuelle Eingabe löschen | STRG+A oder ESC |
| KORREKTUR | das letzte Zeichen löschen | DELETE |
| VERBINDEN/ENDE | vom Dienst trennen | STRG+C |
Getippte Zeichen werden an den Server gesendet, der sie zum Bildschirm spiegelt (Standard-Minitel-Verhalten: kein
lokales Echo standardmäßig). Der Minitel 1B zeigt in GROSSBUCHSTABEN, bis der Server den Kleinbuchstabenmodus
aktiviert. Die Links/Rechts-Pfeile senden Cursorsequenzen (ESC[D / ESC[C)
nur, wenn der Server den Cursormodus (PRO3) aktiviert hat — wie bei einem echten Minitel 1B.
Lokale Kürzel (senden nichts an den Server)
| Taste | Wirkung |
|---|---|
| STRG+D | wechselt den Rendering-Modus (siehe Abschnitt 5) |
| STRG+L | löscht den Bildschirm lokal |
| STRG+F | setzt die serielle Verbindung (ACIA) zurück |
5. Die Rendering-Modi (STRG+D)
Der Oric kann nicht jede Zelle einzeln färben wie der Minitel: OricTel bietet drei umschaltbare Strategien:
- AUTO (Standard) — der beste Kompromiss, zeilenweise entschieden: Attributfarben, wo die Zeile es zulässt (farbiger Text, Mosaike in Vollfarbe), Luminanz-Dithering für dichte Mehrfarbenzonen, Weiß-Rendering für ungeeignete Zeilen (doppelte Höhe, kein Trennzeichen).
- DITHERING — alles in Dichteraster: Die Helligkeitshierarchie der Farben bleibt als texturierte „Graustufen“ erhalten. Nützlich, wenn eine Seite mit der AUTO-Heuristik schlecht harmoniert.
- ROH — alles Weiß auf Schwarz: maximale Formlesbarkeit, keine Farbe.
6. Getestete Server
| Server | Adresse | Hinweise |
|---|---|---|
| PAVI 3617 | pavi.3617.fr:3617 | empfohlen, Teletel-Startseite |
| MiniPavi | go.minipavi.fr:516 | Multiservice-Gateway |
| Andere | freie Eingabe Host:Port | Option 3 des Server-Menüs |
Auf der PAVI-Startseite: Tippen Sie einen Dienstcode, dann SENDEN (RETURN). INHALT (STRG+S) listet die Dienste. VERBINDEN/ENDE (STRG+C) beendet die Sitzung.
7. Fehlerbehebung
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| „KEIN MODEM“ / Rückkehr nach ATZ | der Emulator ist nicht in --serial modem/picowifi | make run verwenden (oder run-loci/run-loci-emu) |
NO CARRIER (00:00:00) (echter Pico) | Wählformat oder WLAN nicht verbunden | behoben (OricTel wählt ATDT<Host>); sonst Menü 2 - WLAN-Konfig |
Dauerhafte F-Anzeige | keine Daten vom Server | Internetverbindung prüfen; STRG+F, dann STRG+E (Wiederholen) |
| Verlorene Zeichen beim Tippen | tritt seit 0.2.24 nicht mehr auf | prüfen, ob das Tap aktuell ist (make) |
| Invertierte Kartuschen unleserlich | Anzeigeskala 1× | F3 (Skala ×2-×4) |
| Seite beim Laden eingefroren | Verbindung unterbrochen | STRG+F (ACIA-Reset), dann STRG+E |
Bildschirm bleibt auf BASIC Ready | Fast-Load ohne Autorun | RUN tippen, dann RETURN |
8. Bekannte Einschränkungen
- Die Zellenfarben des Minitel werden mit den seriellen Oric-Attributen angenähert: In einer Zeile ohne nutzbare leere Zelle kann die Farbe eines Textes verloren gehen (weiß gerendert).
- Der MIXED-Modus (80-Spalten-Teleinformatik) wird nicht unterstützt.
- Die Terminalidentifikation (ENQ/ENQROM) ist bewusst stumm: Moderne Server (MiniPavi) spiegeln die Antwort ins Eingabefeld, statt sie zu verbrauchen (dasselbe Verhalten wie miedit).
- Die echte V23-Konfiguration (1200/75 Baud, 7E1) für echte Oric-+-Modem-Hardware steht auf der Roadmap; unter dem Emulator ist die Übertragung sofortig.
Reproduziert aus docs/MANUEL_UTILISATION.md (maßgebliche, aktuelle Version auf GitHub).